Provinz Buenos Aires und Bundeshauptstadt:
Mit nur teilweise erlebter Kindheit (siehe Puppe) und das Nötigste erbettelnd: Das tägliche Brot
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Immer mehr bei der Geburt unterernährte Kinder

15.10.2004

(APE).- Wie der italienische Philosoph Giorgio Agamben hervorhebt hat Macht die unendliche Chance, Leben zu schützen oder seine Massenvernichtung zu erlauben. Gemäss dem gestern veröffentlichen Befund von "Dr. Carlos Grandi, Leiter der Abteilung für Perinatalepidemiologie und Biostatistik der Maternidad Sardá" der Stadt Buenos Aires, in welcher "10% der jährlichen Entbindungen des ganzen Landes stattfinden", ist das Durchschnittsgewicht der argentinischen Neugeborenen zwischen 1992 und 2004 um 32 Gramm gefallen. Für Millionen argentinische Kinder sind die Würfel schon bei der Geburt gefallen. Wie der chilenische Dichter Badilla Castillo es ausdrückt, kommen sie als Dämmerung im Lebensterritorium zur Welt.

Die armen Kinder dieser Erde sind eine Schar unbefangener gedemütigter Engel. Jedes der zwischen den vier bedrückenden Mauern der Armut geborenen Kinder besitzt nicht den Glanz der Neuheit, noch ist seine Erscheinung als notwendige menschliche Erneuerung gesegnet. Für den feindseligen Blick der uns regiert ist es -vielleicht- ein unnötiges demographisches Wachstum. Dr. Grandi konstatierte dass die Zentralgegend "die die Provinzen Buenos Aires, Córdoba, Santa Fe und Entre Rios umfasst, mit ca. 400.000 järlichen Geburten" einen noch stärkeren Gewichtsrückgang im Durchschnittsgewicht der Neugeborenen -34 Gramm- verzeichnete.

Immer hinsichtlich unserer Kinder die in Zeiten des Zusammenbruchs geboren werden, konstatierte Dr. Celia Lomuto, Koordinatorin des "Perinatalprogramms der Dirección Nacional de Salud Materno Infantil des Gesundheitsministeriums", dass 7,6% der Kinder bei der Geburt weniger als 2500 Gramm wiegen und dass "sowohl die Frühgeburten als auch ein geringes Geburtsgewicht starke Prädiktoren der Kindersterblichkeit sind". Der Prozentsatz der Geburten mit diesen Merkmalen "erklärt mehr als 50% der Sterblichkeit von Kindern im Alter unter einem Jahr", sagte sie. Und dies sind die gleichen Kinder die später, wenn sie Glück haben, dumpfe Gedichte in das versteckte Herz der Tafeln schreiben werden.

Man sagt, dass die chronische Unterernährung der Mutter sich auf das Gewicht des Kleinkinds auswirkt, und dass bei einem untergewichtigen Kleinkind -mit einem Gewicht von weniger als 2500 Gramm- seine kognitive Entwicklung beeinträchtigt werden kann "und dass es sehr gut möglich ist, dass diese Kinder ihre intellektuelle Kapazität, ihre schulische Leistungsfähigkeit, auf Zukunft belastet haben werden, oder dass sie nicht die zur Beendung ihrer Erziehung oder zum Arbeitseinstieg notwendigen Minimalanforderungen erreichen werden", oder dass sie vielleicht in Zukunft zur Dienstbarkeit mürbe gemachte gefügige Leiber seien.

Nichtsdestobesser, wenn man auch weiss dass Hunger akribisch ist, und dass kein Horizont düsterer als der vom Elend angebotene ist, werden diese Kinder durchhalten und darauf bestehn bestehenzubleiben wie die Spur eines Fusses die ihre Zeit in den Sand gräbt. Über wie viele dieser vaterlandslosen Kinder wird sich später wohl die Hälfte der Gesellschaft beklagen. Wieviele Bewohner der glänzenden Seite dieser Erde werden sie wohl zurückweisen wenn sie an ihre Türen pochen und um Brot bitten werden, während sie wie immer über die Tiefe des nächsten Schweigens nachdenken werden.

Wenn in der Geschichte des Hungers unseres Landes diese Zahlen auch bis jetzt noch nie vorkamen, so ist es nicht bewiesen dass jemand jemals die Faszination des Unschuldigen, der sich an Unabwendbarkeit gewöhnt hat und plötzlich sich die Schönheit ausmalt bremsen konnte.

Datenquelle:
La Nación Zeitung 14-10-04